Weshalb sind Wechseldrucksysteme
nicht immer die
richtige Therapie
bei der Dekubitusbehandlung bzw. -prophylaxe?
In der täglichen Praxis ist es oft problematisch, das geeignete
System für den Patienten zu finden, das genau auf seine individuellen
Bedürfnisse zugeschnitten ist.
In der Dekubitusprophylaxe und -versorgung sind Wechseldrucksysteme
seit Jahren etabliert. Jedoch sollte auf Grundlage neuerer Erkenntnisse
und Beobachtungen aus Pflege- und Medizinbereich ihre einheitliche
Nutzung mit Skepsis beobachtet werden.
Auch die Ansichten zu diesem Thema haben sich grundlegend verändert. Wurden Druckgeschwüre vor einiger Zeit noch als Auswirkungen von Druck und Scherkräften gesehen, ist heute bekannt, dass auch psychosoziale Faktoren das Geschehen stark beeinflussen können. Daraus lässt sich schließen dass bei früheren Produktentwicklungen ausschließlich die Minimierung von Druck und Scherkräften im Mittelpunkt stand.
Nach dem heutigen Erkenntnisstand ist das Abstimmen auf die Grunderkrankung ein entscheidendes Kriterium zur Auswahl des optimalen Lagerungssystems. Gerade bei Patienten mit Wahrnehmungsstörungen (z.B. Schlaganfallpatienten) können von Wechseldruck-Systemen unerwünschte Nebenwirkungen verursacht werden, die den Heilungsprozess beeinträchtigen.
Veränderungen die beim Einsatz von Wechseldrucksystemen an Patienten zu beobachten sind:
- Emotionale Störungen
- Verstärkung vorhandener Schmerzsymptomatik
- Beeinträchtigung des Schlafes durch Geräusche und Vibrationen
- Negative Veränderungen des Haut- und Bettklimas
- Eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit
- Eventueller Auftritt von Spastiken
- Negative Beeinflussung des Wohlbefindens des Patienten
- Räumliche und zeitliche Desorientierung
- Kommunikationsstörungen
- Verhaltensauffälligkeiten
- eine negative Gewöhnung auf Grund ständig wiederkehrender, gleichartiger Reize
- Die Mobilität durch Bewegungsübungen, Krankengymnastik, Physiotherapie, Ergotherapie usw. solange wie möglich erhalten und fördern.
- Beeinträchtigung der Körper bezogenen Wahrnehmung
- Koordinationsstörungen
- Umweltreize können falsch interpretiert werden
Auch für das Pflegepersonal kann sich der Einsatz von Wechseldrucksystemen schwierig gestalten:
- Probleme beim Transfer des Pflegebedürftigen
- Die Lagerung und Bewegungsförderung des Patienten wird erschwert
- Hohe Störanfälligkeit vieler Systeme
- Sofortiger Funktionsverlust bei Störungen

